Gerswalde

Ruinen der ehemaligen Burg Gerswalde

Gerswalde wurde 1256 als Grenzfeste gegen Pommern und Mecklenburg erstmalig in einer Urkunde erwähnt, war später ein Lehen der Holzendorff und kam 1463 zur Hälfte an Ludeke II v. Arnim († 1470/1472), den markgräflichen Hauptmann im Uckerland. Der Stammvater der Gerswalder Linie, Henning II v. Arnim, der Alte, († nach 1.2.1490) erhielt 1463 die Mitbelehnung an der Burg, zu der damals bereits eine kleine Stadt mit Marktrechten gehörte.

Nach Hennings II Tod wurde der Gerswalder Besitz unter seinen Söhnen aufgeteilt, und es entstanden im 16. Jahrhundert drei Rittersitze in Gerswalde: das „Weiße Haus“, das aus der Hauptburg entstanden war, das „Rote Haus“, das die Vorburg umfaßte, und der „Kemperhof“. Erst 200 Jahre später ist es Otto XII (1682 – 1748) gelungen, diese drei Teile in seiner Hand zu vereinigen. (…)

Auch weiteren alten Lehnbesitz, dem durch Verpfändungen der Verlust drohte, konnte Otto für sein Haus zurückgewinnen. Dabei handelte es sich um die Güter Fergitz und Lemmersdorf, die ritterlichen Vorwerke Böckenberg, Neudorf, Kölpin, Blankensee, Werder, Petznick und Dolgen sowie die Bauerndörfer Kaakstedt, Zollchow und Jacobshagen. Bei Ottos Tod waren mithin genügend Rittersitze für seine sieben Söhne vorhanden.

Sein ältester, Christof Otto (1706 – 1769), übernahm den ungeteilten Stammsitz Gerswalde mit Schloß, Städtchen und Rittergut, ohne seine Brüder auszahlen zu müssen. Der Siebenjährige Krieg hat jedoch Christof Otto auf Gerswalde in eine äußerst bedrängte Lage gebracht: Der siebenjährige Krieg vereitelte auch alle seine Absichten, die er auf die Verbesserung des Gutes hatte.

Gerswalde, 2001, das Dachgeschoß wurde nach einem Brand nicht wieder erneuert

Er wurde durch die herumstreifenden feindlichen Truppen, die Russen, Schweden und Österreicher öfters beunruhigt. Er verlor dabei Geld, Getreide und Vieh; die von Preußen auferlegten Kriegslasten fielen ihm und seinen Untertanen äußerst schwer. Es fehlte in den letzten Jahren sogar an den nötigen Feldarbeitern. Die Bauern wurden durch die Getreidelieferungen und die häufigen Kriegsfuhren ganz ruiniert, so daß sie keine Abgaben mehr entrichten konnten. Selbst das Ende des Krieges zog von allen Seiten Verluste nach sich. Die häufigen Durchmärsche der preußischen Truppen in ihre Standorte waren äußerst drückend, die Veränderung des Geldes nach dem Münzfluß von 1764 brachte Christoph Otto vollends den größten Verlust.

Dabei wuchs seine Familie immer mehr heran; die Bedürfnisse wurden größer, die Einkünfte aber geringer, so daß er bis an sein Ende nicht genug über die nachteiligen Folgen dieses Krieges klagen konnte. (Fam. Gesch. Teil II, 2. Band, 1922) Doch konnte Christof Otto auch manches in Gerswalde verbessern. Am Rand der Gerswalder Heide legte er 1755 das Vorwerk Herrenstein mit einer Molkerei an und 1764 nahe des kleinen Briesensees eine Ziegelei, die Steine für den Bau eines neuen Schafstalls auf dem Kemperhof und eines großen Viehstalls auf dem Weißen Hof lieferte. Es sollte sich später für die Wirtschaft als nachteilig erweisen, daß die Stallgebäude getrennt auf verschiedenen Höfen lagen.

Herrenstein 2001, heute Hotelanlage